Ich bin ja eigentlich nicht so der Schwimmbad-Typ. Chlor trocknet meine Haut aus, nasse Fliesen steigern meine persönliche Umfallgefahr exponentiell und Kinder, die kreischend ins Wasser springen und mich nassspritzen, machen mich aggressiv.
Trotzdem ging ich gestern ins Münchner Nordbad. G., die 2-Jährige einer Freundin, hatte am Vormittag Schwimmflügel bekommen. Und wenn ein kleines Mädchen Schwimmflügel bekommt, ist es ein Ding der Unmöglichkeit, sie nicht noch am selben Tag zu testen.
Zunächst wurde meine Schwimmbad-Aversion noch verstärkt. 3,80 Euro Eintritt (das sind fast zwei Stück Käsekuchen!), meinen Bugaboo im Wert von 332 Stück Käsekuchen musste ich ungesichert in einem Abstellraum parken, und dann versuchen Sie mal, einem 10 Monate alten Baby, das An-, Um- und Ausziehen als körperliche Folter empfindet, in einer einen Quadratmeter großen Umkleidekabine die Klamotten aus- und die Schwimmwindel anzuziehen, ohne dass es von der 4 Käsekuchen schmalen Bank rutscht und auf die Fliesen donnert.
Als wir dann endlich am Babybecken waren, fiel dem Zwerg wieder ein, wie unangenehm er es findet, nass zu werden. Ein Charakterzug, der im Nordbad eher ungünstig ist. Ich überlegte noch, was mich mehr störte, das quengelnde Kind auf dem Arm oder mein nicht mehr ganz so straffer Bauch, der sich im Bikini unvorteilhaft in Falten legte, als Lindas Stimmung plötzlich umschwang. Sie hatte entdeckt, dass sie im flachen Wasser aufrecht stehen kann und dass dies viel weniger anstrengend ist als an Land. Und auf einmal war das feuchte Element kein Problem mehr und mein Baby ein vor Freude gackerndes, triefnasses Bündel.
Was hat das Ganze jetzt mit den Schamhaarfrisurentrends zu tun, fragen Sie sich zu Recht.
Wir überspringen zwei Stunden Planschen, Quietschen und „Schwimmen“ und begeben uns gemeinsam in die Damen-Dusche. Dort wurde Linda ein Panoptikum zum Thema „der weibliche Körper“ geboten. Dick, dünn, blass, dunkel, groß, klein, jung, alt, schwanger oder androgyn, alles war dabei. Und Linda staunte. Zu Voyeurismus noch nicht fähig, begutachtete sie unschuldig und fasziniert die versammelten sich waschenden Körperwelten. Und da alle Beglotzten amüsiert mein erstauntes Baby betrachteten, konnte ich mich unbemerkt und mit echtem Voyeurismus den Schamhaarfrisurentrends widmen.
Eine Frau trug eine Art Hitlerbart auf ihrer Scham. Nur vertikal, natürlich. Ich sah mehr und weniger holprige Landestreifen, Siebzigerjahre-Dschungel mit Ausmaßen von zwei Käsekuchenstücken, englischen Rasen und eine Frisur, die mich an den Bart von Kevin Kuranyi erinnerte. Und kam zu dem Schluss, dass der Kahlschlag wohl out ist. Vielleicht ist das der Flashback zur Wirtschaftskrise: Wenn schon überall gespart wird, lassen wir’s wenigstens im Schambereich wuchern.
Dann musste ich daran denken, wie ich vor drei Jahren in Irina von Bentheims Show „Sex nach acht“ im Berliner BKA-Theater vor zweihundert Leuten relativ entspannt die Schamenthaarungspraxis meiner Romanheldin Marie diskutierte und wie mir erst hinterher klar wurde, dass 99% der Menschen denken, ich sei Marie.
Ich wurde rot, mein Kind fing wieder an zu quengeln, weil die tolle dicke Frau mit ghanaischem Migrationshintergrund die Dusche verlassen hatte und ich wandte mich von den Schamhaarfrisurentrends ab und der Realität zu. Das nasse, nackige Baby ohne „die Mama zieht mir die Haut ab“-Gebrüll wieder in ein trockenes, angezogenes Baby zu verwandeln, war so anstrengend, dass ich danach ein großes Stück Käsekuchen brauchte. Mit Sahne.
Juni 10, 2009 at 12:32
interessant, so sieht es also aus, wenn „frau“ in die dusche geht…
Juni 10, 2009 at 4:41
Alles was ich lese ist: Käsekuchenobsession.
Juni 10, 2009 at 9:41
Na, den Käsekuchen haben Sie sich dann auch wirklich verdient!
Juni 11, 2009 at 7:18
tja, da seht ihr mal, im leben einer frau geht es halt doch nur um das eine: essen!
Juni 11, 2009 at 6:30
Gibt nur eins das schlimmer ist, als mit- Baby im Schwimmbad: Schwanger im Schwimmbad. Und schwanger ist Enthaarung auch ne haarige Sache.
Käsekuchen geht immer!:-)