Vorbemerkung: Damit mir nicht wieder jemand eine Eheberatung ans Herz legt: Dies, was nun folgt, war ein Traum. Traumdeuter und Psychologen: bitte heute ein anderes Blog lesen.
Ich war auf Menorca oder Lanzarote – das wechselte ein paarmal, aber über solche Nebensächlichkeiten wundert man sich ja im Traum nicht – in einem noblen All-Inclusive-Club, und machte Urlaub mit alten Schulfreunden. Jan war mit von der Partie, Judith, die beiden Monis, Ingrid, Martin, Jochen, in den ich vor zwanzig Jahren mal ein bisschen verliebt war … Am Abend auf der finalen Gala kam es so, dass ich plötzlich neben George Clooney am Buffet stand. Das erste, was ich dachte, war: Der ist ja gar nicht so klein! Heimlich wikipediate ich ihn rasch mit meinem iPhone und stellte fest, er misst einen Meter achtzig. Er sah meinen Minicomputer, fragte mich, ob er mal rasch seinen Facebook-Account checken dürfe, ich dachte mir, scheiß auf hohe Roaming-Kosten und ließ ihn ran. Ans iPhone. So kamen wir ins Gespräch, tranken später am Abend ein paar Wodka Martini zusammen, viel später noch einen Nespresso, und dann wechselte die Szenerie, ohne dass wir uns wunderten.
Es war eine kühle deutsche Sommernacht und wir standen auf der Straße vor dem Haus. Dem Haus meiner Eltern, bei denen ich ausnahmsweise übernachten sollte. Es war drei Uhr früh. George und ich schlichen uns die Treppe hinauf in mein altes Kinderzimmer, mein Bett war gemacht und ich erkannte meine Lieblingsbettwäsche aus den Achtzigerjahren wieder, schwarze Wäsche mit weißen, stilisierten Katzenköpfen im Keith-Haring-Stil drauf. Zum Glück war es recht dunkel. Mein Bett war im Traum ein wenig breiter als das 90-Zentimeter-Ding in echt, und so kam es, dass George mir den Rest der Nacht immer wieder ausweichen konnte, obwohl ich mich fast ganz ausgezogen hatte und merkte, dass er bestimmt nicht schwul ist. Er hätte Hemmungen, nur durch eine Reihenhauswand von meinen Eltern getrennt, meinte er entschuldigend und in perfektem Deutsch, aber wenn ich Lust, also, wenn ich auch noch ein bisschen Zeit hätte und Lust, also, jedenfalls habe er noch bis zu seinem Abflug ans Set von “Up In The Air” am nächsten Nachmittag seine Suite im Mandarin Oriental gebucht, und wir könnten ja … Ich zählte die Minuten, bis es endlich hell wurde, und beim ersten Tageslicht weckte ich George und zeigte ihm, wo das Bad ist.
“Darling, ich fürchte, es ist besetzt”, sagte er und deutete auf die Lichtstreifen, die unter der Tür zu sehen waren. Schnell scheuchte ich ihn die Treppe hinunter aufs Gästeklo. Leider lief er auf halbem Weg meinem Vater in die Arme, der im Pyjama die Zeitung las. Ich schwöre, seine Überraschung betraf meinen männlichen Übernachtungsgast und nicht, dass dieser Gast George Clooney war. Aber er überspielte sie gut und fragte George freundlich, ob er ein Rühr- oder Spiegelei bevorzuge. “George will gar kein Ei, wir haben es eilig”, fauchte ich, George verzog sich lächelnd zum Pinkeln und ich begann hektisch, meine Siebensachen zusammenzukramen.
[Anmerkung für die Traumdeuter und Psychologen, die sich meiner Bitte widersetzt und doch weitergelesen haben: Das passiert mir häufig in meinen Träumen: Ich muss packen und stelle mich unheimlich blöd an, finde vieles nicht, kann nicht klar denken - auch wenn es nicht George Clooney ist, der mich mit in seine Suite nehmen will - und am Ende gibt es immer ein Ding, ein unwichtiges, das nicht auftauchen will und mich zur Verzweiflung bringt.]
Ich fand meine Wimperntusche nicht und wurde schier wahnsinnig deswegen. Panisch leerte ich den gesamten Inhalt meiner Schminkschublade auf dem Boden aus, kehrte alles, was mir ein Haltbarkeitsdatum nach 1990 zu haben schien, in meine viel zu kleine Tasche und flippte fast aus, weil keine Mascara dabei war. Schließlich ging ich bei meiner Mutter stibitzen, die ordentlicher ist als ich und deren Wimperntusche von Sans-Souci sich seit 34 Jahren oder länger am selben Ort befindet. Bei dieser Aktion weckte ich sie leider, und das Ergebnis war, dass nun beide meine Eltern sich um George kümmerten.
“Unser Schwiegersohn”, sagte mein Vater zum Beispiel und machte eine bedeutsame Pause, “unser Schwiegersohn mag ja am liebsten zwei Rühreier mit Speck, aber ohne Kräuter!” George nickte interessiert und bedeutete mir mit den Augen, mich ein wenig zu beeilen. Ich sah auf die Uhr. Wertvolle Mandarin-Oriental-im-Bett-mit-George-Zeit verrann.
“Unser Schwiegersohn”, fuhr meine Mutter fort, “ist ja so ein liebevoller Vater, er nimmt sich so viel Zeit für die Kleine, das gab es früher gar nicht!”. Super, Mama, dachte ich, jetzt hast du auch noch mein Kind erwähnt, das ich erfolgreich die ganze Zeit verschwiegen habe. Und meine ganzen Verrenkungen, um meine Kaiserschnittnarbe zu verbergen, waren ebenfalls umsonst.
Es ging so weiter, selbst als George sich die Schuhe anzog, fiel meinem Vater ein Kommentar ein: “Mein Schwiegersohn nimmt ja immer den langen Schuhlöffel, der hat’s mit dem Kreuz!”
Endlich, endlich verließen George und ich das Reihenhaus, und er zwinkerte mir verschwörerisch zu, um mich dann verheißungsvoll in den Hintern zu kneifen, dessen Muskeln ich gerade noch rechtzeitig anspannen konnte. Ich sah die Lust in seinen braunen Augen aufblitzen und dachte erleichtert, dass es wohl doch noch etwas werden würde mit George im Bett.
Dann wachte ich auf.