Ein Werbeplakat in eigener Sache. Wenn Sie zum Valentinstag etwas verschenken möchten. Und zwar keine Blumen. Und weil Romantik vielleicht manchmal doch mehr ist als nur eine Stilepoche.
8. Februar 2010
Bald ist Valentinstag!
Posted by Anette Göttlicher under Liebe, Schreiben | Schlagwörter: 14. Februar, Beziehung, Geschenk, Geschichte, Herz, individuell, Liebe, Liebesgeschichte, Romantik, schenken, Text, Valentinstag, Verliebtsein |Leave a Comment
8. Februar 2010
Weil’s so schön ist.
Posted by Anette Göttlicher under Fotos, Leben | Schlagwörter: Augustenstraße, Café, Café Jasmin, Inneneinrichtung, Interieur, Jasmin, Maxvorstadt, München, Sonntag, Stadt, Steinheilstraße, Suppe |[2] Comments
Nein, ich hatte dort kein Fotoshooting. Ich wartete nur auf meine sonntagmittägliche Kürbissuppe, der Zwerg schlief friedlich im Buggy, der Mann verfolgte die EM-Quali-Auslosung über die Videotext-App des iPhones und ich spielte ein bisschen mit der Nikon herum. Das Café Jasmin ist einfach zu schön, um dort keine schönen Bilder zu machen.
Café Jasmin
Steinheilstraße 20
80333 München
http://www.cafe-jasmin.com/
29. Januar 2010
Zahlen und Fakten [random content]
Posted by Anette Göttlicher under Leben | Schlagwörter: Alltag, Arbeit, Fakten, Kind, Leben, Milch, Schlaf, Statistik, Urlaub, Windeln, Woche, Zahlen |[4] Comments
71 Wörter kann Linda aktiv verwenden.
50 Stunden arbeite ich pro Woche, laut Agentur für Arbeit und deren Zuschusskürzung aber nur 30.
42 Windeln verbraucht Linda pro Woche.
98 Löffel 3er-Milch löffle ich wöchentlich ins Fläschchen.
50 Stationen fahre ich in einer normalen Woche mit der Trambahn.
1.689 Fotos befinden sich im flickr-Album “Linda”, und das sind nur die guten.
41.500 Fotos befinden sich auf meiner Festplatte.
241,5 von 250 Gigabyte Speicher meines MacBooks sind belegt.
1,5 Krapfen kann Linda am Stück vertilgen.
40 Stunden Schlaf bekomme ich in einer Woche ab.
91 Tage dauert es noch bis zum dringend nötigen Urlaub.
1 Mensch fehlt mir.
48,7 Jahre bleiben noch. Statistisch gesehen.
15. Januar 2010
Der Nachbar aus dem 3. Stock … (Kindercontent)
Posted by Anette Göttlicher under Kleinkind | Schlagwörter: Haarausfall, Haare, Haarpracht, Kind, Kindercontent, Kindermund, Kleinkind, Linda, Mann, Mütze |[2] Comments
… ist ungefähr zehn Jahre älter als Lindas Papa, jedoch genetisch bedingt mit einer vollen Haarpracht gesegnet, im Gegensatz zu Lindas Papa.
Linda (auf den Nachbarn zeigend, begeistert): “Mütze! Mütze! Mütze!”
10. Januar 2010
Unverständnis
Posted by Anette Göttlicher under Ernst gemeinte Fragen, Leben | Schlagwörter: Empathie, fassungslos, Fassungslosigkeit, Kindheit, Papagei, Psyche, Rätsel, Unverständnis, Verständnis, Verstehen, Wimmelbuch |Leave a Comment
Es gibt Dinge, die ich nicht begreife. Für die mir jegliches Verständnis fehlt, die einfach nicht in meinen Kopf wollen, egal, wie lange ich nach den Gründen forsche, überlege, mir den Kopf zerbreche. Ich kann es mit logischem Denken versuchen, mit umgekehrter Konsequenzanalyse, mit dem Anwenden von Erfahrungswerten, sogar mit Empathie und dem christlichen Glauben – ich kapier’s einfach nicht.
Und fassen kann ich’s noch viel weniger. Warum machen Menschen so etwas? Ist immer die Kindheit schuld, ist es der längst fällige Brief an die eigenen Eltern, der nie geschrieben wurde, gibt es in unserem Land zu wenig Psychotherapeuten ohne meterlange Warteliste? Oder ist der Mensch einfach von Natur aus schlecht und alles Gute ist nur erfolgreiche Sozialisierung?
So oft ich es auch drehe und wende, am Ende bleibt nur: Unverständnis.
Völliges Unverständnis für die Tatsache, dass auf den letzten zwei Seiten des Winterwimmelbuchs der Papagei fehlt.
9. Januar 2010
Goku Baia & Haloma (Kleinkindcontent)
Posted by Anette Göttlicher under Kleinkind, Leben | Schlagwörter: Kind, Kleinkind, Missverständnis, Sprache, Spracherwerb, Verständnis, Wörter, Wortschatz |Leave a Comment
Früher habe ich immer innerlich den Kopf geschüttelt, wenn ein Kleinkind etwas völlig Unverständliches brabbelte und die Mutter prompt und richtig reagierte: “Na klar, Lara-Lea, du bekommst gleich eine Fruchtschnitte!”
Und heute? Bin ich genauso. Nur, dass es bei uns selten Fruchtschnitten gibt, sondern eher Kekse und so. Schließlich ist mein Kind immer noch leicht untergewichtig und kann etwas Speck auf den Rippen vertragen.
Das geht dann so:
Kind: “Tse! Tse!”
Ich: “Noch’n Keks? Na gut. Bitteschön.”
Kind: “Goku Baia! Goku! Goku! Baia! Baia! Goku Baia!”
Mutter: “Ja, Linda, ich mach dir gleich einen Bananenjoghurt. Nur noch eben diese Mail fertig schreiben, okay?”
Kind (beim Abholen von der Kita): “Zeze! Zeze!”
Mutter: “Ja, wir gehen gleich eine Brezn kaufen. Versprochen.”
Kind (im Tierpark): “Zeze! Zeze!”
Mutter: “Gut, Linda, ein Zebra!”
Manchmal kommt es allerdings auch zu Missverständnissen. So dachten Lindas Großeltern immer, ihr Enkelkind habe der bei ihr sehr beliebten Schwarzwälder Kuckucksuhr einen Namen verpasst. “Dieter, Dieter!” rief sie nämlich immer ganz aufgeregt, wenn der Kuckuck kuckuckte. Seitdem war der Kuckuck eben der Dieter.
Bis das Kind eines Tages meine Armbanduhr entdeckte, “Ua! Ua!” sagend darauf zeigte und belehrend anfügte: “Tick-tack!” Was sich ein bisschen wie “Ti-ta” anhörte.
Der Kuckuck heißt trotzdem Dieter. Das Leben kann ganz schön hart sein.
PS. Haloma ist kein Lied über eine Taube und auch kein Rauschmittel, sondern die kleinkindliche Verkürzung von “Hallo, Oma!”
7. Januar 2010
Ein guter Witz
Posted by Anette Göttlicher under Fiktion, Schreiben | Schlagwörter: Betrug, Ehebruch, Ehefrau, Familienvater, Fiktion, Flughafen, Flugreise, Geliebte, Kurzgeschichte, Sicherheitskontrolle, wahre Begebenheit, Witz |[8] Comments
[Eine fiktive Geschichte, inspiriert durch eine wahre Begebenheit *]
Schweigend lagen sie da und genossen den Moment danach. Er hatte die Augen geschlossen, schlief aber nicht. Sie stützte sich auf ihrem Ellbogen ab und zählte die Fältchen um seine Augen und an seiner Nasenwurzel. Ihr Blick wanderte über sein Gesicht, von der kräftigen, geraden Nase über seine nicht zu vollen, aber schön geschwungenen Lippen bis zum Grübchen im Kinn, in dem sein Bartwuchs etwas dunkler schimmerte als auf den Wangen.
„Das kitzelt!“ stellte er fest, öffnete seine mahagonibraunen Augen und lächelte sie an.
„Ich muss mich an dir sattsehen“, erwiderte sie, „schließlich …“
„Ich weiß.“ Sein Lächeln verschwand.
„Es ist wirklich nicht leicht für mich“, sagte sie und zog sich die Bettdecke über den Busen, denn sie fröstelte auf einmal in ihrer verschwitzten Haut.
„Ich weiß.“
„Allein die Vorstellung, dass ihr dort einen auf happy familiy macht, Vater, Mutter, zwei Kinder, Erinnerungsfotos, Urlaubsbekanntschaften, ein Hotelbett, es macht mich fertig, mir das vorzustellen …“ Sie verstummte und wandte ihren Blick ab.
„Hey“, sagte er und holte ihn zurück, indem er sie unterm Kinn fasste und ihr Gesicht zu seinem drehte, „ich habe da eine Idee. Hör auf, dich zu grämen, bitte. Es ist nicht nötig. Ich werde hierbleiben.“
„Wie willst du denn das machen?“ fragte sie ungläubig. „Eine Krankheit simulieren? Einen Streit provozieren? Oder …“ Sie sprach es nicht aus, weil sie wusste, dass es nur zu Streit führen würde. Nein, er würde sich nicht von seiner Frau trennen, nicht jetzt, nicht zu diesem Zeitpunkt. Das Kind zu klein, die Frau erschöpft, Weihnachten, die Schwiegermutter krank, Ostern, der Geburtstag der Frau, die anstehende Beförderung, die zweite Schwangerschaft, die Geburt, das Kind zu klein, die Frau erschöpft, Weihnachten, der Urlaub …
„Nein“, sagte er und küsste sie zärtlich auf die Nase, „viel besser. Aber ich kann es dir noch nicht erzählen. Vertrau mir einfach.“
Einfach vertrauen, dachte sie, ja, das werde ich tun, ich dumme Kuh. Dir vertrauen, dem Ehebrecher, der seit zwei Jahren seine Frau betrügt, natürlich vertraue ich dir, mein Herz …
Doch sie wusste, dass ihr nichts anderes übrig blieb. Die einzige Alternative war, ihn zu verlassen, aber das schaffte sie nicht. Nicht zu diesem Zeitpunkt.
Als könne er ihre Gedanken lesen, küsste er sie wieder, diesmal leidenschaftlich und fordernd, so dass sie kaum noch Luft bekam, und während er sie küsste und sie dabei mit einer Hand an den Haaren festhielt, schob er mit der anderen Hand ihre Knie auseinander und drang in einer einzigen Bewegung tief in sie ein, so dass sie in einer Mischung aus Lust und Schmerz leise aufschrie.
Wir sehen uns heute Abend. Ich werde nicht fliegen. Stattdessen koche ich für dich. Bei mir zu Hause. Spätestens um acht bin ich da, aber du hast ja den Schlüssel. Kuss!
Diese SMS, mehr hatte sie nicht mehr von ihm gehört an diesem Tag, dessen Datum sie gefürchtet hatte wie eines, an dem man eine Wurzelbehandlung im Kalender stehen hat. Schon lange hatte sie es gefürchtet. Frühbucherrabatt.
Gegen Abend wurde sie nervös. Immer noch keine Nachricht von ihm. Um achtzehn Uhr sollte der Flug nach Hurghada gehen. Saß er in der Maschine? Hatte er sie angelogen, sich einen Scherz auf ihre Kosten erlaubt und verspeiste nun fröhlich Hähnchensalat mit Couscous im Ferienflieger, begleitet vom Lachen seiner Kinder und dem Geplapper seiner Frau?
Der Schlüssel. Der Schlüssel zu seinem Haus, falsch, zu dem Haus, in dem er zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern wohnte, korrigierte sie sich. Immer schön die Tatsachen im Auge behalten. Sie hatte den Schlüssel schon seit einem Jahr, aber natürlich hatte sie ihn noch nie benutzt. Eigentlich, so dachte sie, hatte er ihn ihr sowieso nur gegeben, um sie zu testen. Indem sie ihn nie benutzte, bewies sie ihm ihre Ungefährlichkeit.
Es wurde halb acht, es wurde acht. Mit klopfendem Herzen stieg sie an der Straßenecke aus dem Taxi. Sie fror, denn sie hatte sich schön gemacht für ihn, sexy, wie er es liebte, trug nur schwarze, halterlose Strümpfe, Pumps und darüber ein schimmerndes, dünnes schwarzes Kleid und einen Mantel, der nicht besonders wärmte. Sie fror sogar erbärmlich, aber sie wollte das Gegenteil seiner Frau sein, die sich kleidete, wie sich eine zweifache Mutter eben kleidet: Praktisch und spielplatztauglich. Er schlief sowieso schon seit Jahren nicht mehr mit ihr, sagte er, aber so ganz konnte sie es ihm nicht glauben. Das zweite Kind, entstanden nach einer einzigen Party und nach Unmengen von Alkohol? Wo er doch bei ihr, mit der er bei jedem Treffen zwei oder dreimal schlafen konnte, schon nach zwei Gläsern Wein zu keiner Erektion mehr fähig war? Sie hatte Zweifel.
Das Haus lag im Dunklen, und als sie aufgesperrt hatte und hineingegangen war, merkte sie, dass wirklich niemand zu Hause war. Erleichtert atmete sie auf. Sie machte kein Licht, sondern zündete lediglich im Wohnzimmer eine einzelne Kerze an, drehte die Heizung auf und schaltete ihr Handy auf lautlos, bevor sie es in ihre Handtasche gleiten ließ. Nach ein paar Minuten wurde es behaglich warm im Raum. Sie betrachtete sich in der Glasscheibe einer Vitrine, beleuchtet von der flackernden Kerzenflamme, und fand sich schön. Dann zog sie ihr Kleid aus und legte sich, nur mit Strümpfen und Pumps bekleidet, auf das Sofa. Sie stellte sich sein Gesicht vor, wenn er hereinkommen und sie so daliegen sehen würde, lächelte, schloss die Augen und genoss die Vorfreude, die Hand im Schoß. Dann schlief sie ein.
Es war fast zweiundzwanzig Uhr, als sie endlich wieder zu Hause waren. Seine Frau hatte kein Wort mit ihm gesprochen, seit sie ins Auto gestiegen waren, und die Kinder waren auf der Fahrt schließlich weinend und erschöpft eingeschlafen. Sein Herz schlug hart, als sie um die Kurve bogen, schien dann kurz stehen zu bleiben und flatterte dann erleichtert, als er sah, dass kein Licht brannte. Gütiger Himmel, ich habe wirklich mehr Glück als Verstand, dachte er. Ihr muss etwas dazwischen gekommen sein. Hoffentlich nichts Schlimmes, dachte er kurz, sie war ja auch den ganzen Abend nicht an ihr Handy gegangen, aber dann verdrängte er diesen Gedanken wieder. Er hatte jetzt wahrlich andere Sorgen. Eine stocksaure Ehefrau, ein Gerichtsverfahren, mindestens 1000 Euro Strafe und zwei völlig enttäuschte Kinder. Schöne Scheiße. Dabei war die Idee doch so genial gewesen …
Als die Familie den Hausflur betrat, richtete seine Frau zum ersten Mal wieder das Wort an ihn.
„Sag mal, hast du etwa die Heizung angelassen? Es ist ja unglaublich warm hier drin!“
31. Dezember 2009
2009
Posted by Anette Göttlicher under Leben, Offline | Schlagwörter: 2009, 2010, Arbeit, Elternschaft, Fondue, Freunde, Glück, Jahresrückblick, Kind, Liebe, Premiere, Prosecco, Rückblick, Silvester, Trauer, Verantwortung |[3] Comments
Meine Güte, was bin ich froh, wenn endlich der 01.01.10 da ist. Nicht, dass ich eine Silvesterhasserin wäre. Ich bin der alljährlichen Party am 31.12. gegenüber eher indifferent bis freundlich eingestellt. Fondue ist ja was Feines und Freunde treffen auch, ebenso wie Prosecco und so weiter. Also.
Das Problem ist eher, dass ich langsam sentimental werde, jetzt, wo das Jahr kurz vor seinem Ende steht. Obwohl es nur ein Datum ist, drängt sich die Möglichkeit eines Rückblicks auf. Und dann wird aus der Möglichkeit ganz heimlich eine Notwendigkeit. Und jetzt hab ich den Dreck im Schachterl, jetzt muss ich aufschreiben, wie mein Jahr war, weil ebendieses halt nur noch einen Tag bereit hält, und morgen habe ich keine Zeit zum Bloggen, da bin ich im Stress.
2009 war traurig und lustig, lebensmüde und -hungrig, geprägt von Zukunftsangst und Aufbruchsstimmung. Und von lauter Premieren: Der erste Urlaub mit Kind, der erste Kindergeburtstag im Park, die erste Krankheit, das erste Wort, der erste Schritt, der erste Tag in der Kinderkrippe.
Das Leben mit Kind ist schwer zu beschreiben. Wer Kind(er) hat und ein wenig reflektierfreudig ist, wird wissen, was ich meine. Es ist ein Leben voller Gegensätze, die sich auszuschließen scheinen und doch in diesem kleinen Wesen vereint sind. Diese Verantwortung, ein völlig neues Gefühl. Am Anfang geht es noch darum, dass das Baby überlebt. Doch sobald diese Sorge weniger wird, dämmert einem, dass es noch viel, viel weiter geht. Gnadenlos werden alle Schwachstellen des eigenen Charakters und der eigenen Geschichte aufgedeckt. Alte Leichen werden aus dem Keller gezerrt und kein Stein bleibt auf dem anderen. Man sieht sich mit den Augen seines Kindes und möchte manchmal einfach nur davonlaufen, weil die Aufgabe unstemmbar erscheint.
Dann wieder Leichtigkeit, Lachen, Lebensfreude, Liebe und Glück. Liebe sowieso. Immer, jeden Tag, jede Sekunde, und jeden Tag mehr. Eine Liebe, die fast körperlich schmerzt, weil sie so existenziell ist.
Die Schattenseite der Liebe: Das Wissen, dass das Leben vorbei wäre, würde dem Kind etwas zustoßen. Das Wissen, dass man nie wieder glücklich werden würde. Weiterleben, ja vielleicht. Aber nie wieder glücklich.
Zwei Menschen habe ich in 2009 verloren. Beiden geht es gut, so hoffe ich zumindest, aber sie befinden sich nicht mehr in meinem Leben und ich mich nicht mehr in ihrem. Für beide unhappy ends gibt es Gründe, und vielleicht werde ich irgendwann in der Rückschau erkennen, wozu das alles gut war. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Nicht öffentlich und auch nicht privat. Marked off.
Was bleibt, ist die Trauer über das Wissen, dass es kaum Menschen gibt, die einen dafür lieben, dass man ist. Die allermeisten lieben einen dafür, was man kann, sagt, tut und nicht zuletzt: scheint zu sein. Das ist auch nicht schlecht, denn immerhin ist es besser, für etwas geliebt zu werden als gar nicht. Dennoch ist es eine Gratwanderung. Scheint man zu viel, weil man geliebt werden will, kann man schnell alleine dastehen, sobald der Glanz mal nachlässt und das zum Vorschein kommt, was sich unter der polierten Oberfläche befindet.
Nach diesem – zugegeben sehr unvollständigen – Jahresrückblick muss jetzt natürlich noch ein Ausblick auf 2010 kommen. Was wird es bringen? Ein neues Buch und das Mitwirken an zwei bis drei weiteren Büchern. Viel Arbeit. Wenig Geld. Kaum Urlaub. Nachtschichten und Tagesmüdigkeit. Tägliche Freude, gemischt mit Wehmut, über das Wachsen und die Entwicklung des Kindes. Ungefähr hundertmal die Frage, wie es eigentlich bei uns mit dem zweiten …? Winter, Frühling, Sommer, Herbst. Und hunderttausend kleine und große Überraschungen. Es bleibt spannend.
18. Dezember 2009
Atze! (Babycontent)
Posted by Anette Göttlicher under Baby | Schlagwörter: 17 Monate, Atze, Baby, Brezn, Fuß, Fußball, Gurke, heiß, Katze, Kind, Kita, Kleinkind, Linda, Mama, Papa, Schuhe, Wasser, Wortschatz |[4] Comments
Linda wird kurz nach Weihnachten 17 Monate alt und ich habe das Gefühl, sie versteht jeden Tag ein bisschen mehr von der Welt.
Ihr Wortschatz wächst. Sie sagt jetzt “Hallo!”, um jemanden zu begrüßen oder wenn sie ein Telefon sieht. “Gurke” sprach sie letzte Woche erstmalig aus und gleich so, als würde sie das Wort seit Monaten benutzen. “Heiß” und “Fuß” geht auch, die Schuhe allerdings, die eher wie “Uuä” klingen, verstehe bisher nur ich. Außerdem jetzt im Angebot: Wasser und Atze. Mit letzterem ist nicht Herr Schröder gemeint, sondern das Tier, das bisher schlicht und einfach “Miau” hieß.
Wenn ich Linda von der Kita abhole, gehen wir meistens als erstes zum Bäcker gegenüber und ich kaufe ihr eine Brezn, um ihren Appetit zu testen. Nach drei Abhol-und-Brezn-Tagen begrüßte sie mich kurz freudig mit “Mama, Mama!”, löste sich dann aus meinen Armen, stellte sich vor mir hin, verschränkte die Hände hinterm Rücken und forderte: “Zeze, Zeze!”
Was sie sonst noch macht: Rennen statt gehen, Türme bauen statt sie nur umzuwerfen, Brezntüten durch geschlossene Taschenwände hindurch erspüren, leere Bierflaschen aus dem Tragl herausnehmen und wieder einsortieren, tanzen – und Fußballspielen. Und zwar so richtig. Sie legt den Ball mit den Händen auf den Boden, geht dann zwei Schritte zurück, nimmt Maß und schießt den Ball mit dem Fuß nach vorne.
Der Papa ist begeistert. Vor allem, weil sie nur mit ihm trainiert.
8. Dezember 2009
Die Geschichte vom Graupapageien, der traurig war, weil er keine bunten Federn hatte (Babycontent)
Posted by Anette Göttlicher under Baby, Leben | Schlagwörter: Afrika, anders, Dschungel, Einschlafen, erzählen, Geschichte, Graupapagei, Gute-Nacht-Geschichte, Gutenachtgeschichte, Kind, Ornithologie, Papagei, Professor |Leave a Comment
Als Linda heute nach einem sehr lustigen und aufregenden Nachmittag in einem Gasthaus auf dem Land nicht einschlafen konnte und sich weinend in ihrem Bettchen aufsetzte, legte ich mich neben sie und erzählte ihr die Geschichte vom traurigen Graupapageien. Der “Papabei” ist nämlich ihr momentanes Lieblingstier, gefolgt vom Zebra.
Die Geschichte vom Graupapageien, der traurig war, weil er keine bunten Federn hatte
Es war einmal ein Papagei, der lebte im afrikanischen Dschungel. Am liebsten saß er ganz weit oben in den riesigen, dunkelgrünen Bäumen, dicht unter dem Blätterdach ihrer Wipfel, und sah sich von oben das Gewirr der Lianen und das Treiben der anderen Tiere an. Eigentlich war der Papagei zufrieden, denn er liebte seinen Urwald, er fand immer genug zu fressen und zu trinken und musste nie frieren. Doch es gab eine Sache, die den Papagei traurig machte. Er war nämlich nicht bunt wie die anderen Papageien, die in großer Schar ebenfalls in den Wipfeln der Bäume lebten. Der Papagei, von dem ich dir erzähle, war grau. Mausgrau mit Schattierungen ins Dunkelgraue und Hellgraue. Die anderen Papageien hingegen hatten grüne, rote und gelbe Federn, manche sogar ein paar blaue oder violett schimmernde. Sie waren bunt und den ganzen Tag lustig. Und sie verspotteten den grauen Papagei. “Du hast ja gar keine Farben”, lachten sie, “wie siehst du denn aus, total langweilig, als ob du eingestaubt wärst!” Und sie empfahlen ihm, sich beim nächsten Regenguss nicht unter ein großes Blatt zu setzen, sondern direkt in den Regen – vielleicht würde der sein Gefieder ja rein waschen.
Unser Papagei litt sehr unter dem Hohn und Spott der anderen. Irgendwann war er so verzweifelt, dass er zu allem bereit war, um seine Lage zu verbessern. Beim nächsten tropischen Schauer suchte er also nicht wie sonst Schutz unter einem großen Blatt, sondern setzte sich auf einen Ast ganz oben auf dem Blätterdach und ließ den heftigen Regen auf sein Gefieder prasseln. Der Regen ging vorüber und die Sonne kam wieder hinter den Wolken hervor. Der Papagei öffnete vorsichtig die Augen und schielte zu seinem Gefieder. Da fiel er fast vom Baum vor Schreck und Glück – er war bunt! Alle Farben des Regenbogens leuchteten auf seinen Federn! Er schüttelte sich, weil er es nicht glauben konnte. Da perlten die Regentropfen von ihm ab und mit ihnen auch die vielen kleinen Regenbögen, die ihm vorgegaukelt hatten, er habe ein buntes Gefieder. Nass und traurig hüpfte er zurück unters Blätterdach, wo ihn bereits das höhnische Gelächter der bunten Papageien erwartete.
Ein paar Tage später herrschte auf einmal Aufregung im Dschungel. Ein britischer Professor, munkelte das Papageienvolk, sei unterwegs, ein Ornithologe mit Fachgebiet Papageien. Er wolle einen Bildband über die schönsten und seltensten Papageien Afrikas herausgeben und habe eine digitale Spiegelreflexkamera mit Supertele dabei.
Und es stimmte. Tatsächlich erblickte die Papageienschar schon am nächsten Nachmittag den Professor aus London mitsamt seinem Assistenten und Fotografen. Das war eine Aufregung! Gackernd und schnatternd hüpften die bunten Papageien auf den Ästen der Bäume herum, zupften sich gegenseitig das Gefieder glatt und kämmten sich die Federn, um noch mehr zu leuchten und für das Papageienbuch fotografiert zu werden.
Doch der Professor war enttäuscht. “Lauter gemeine Buntpapageien”, hörte man ihn ernüchtert ausrufen, “die sind ja ganz hübsch, aber die gibt es zu Hunderttausenden hier im Dschungel, da lachen mich die anderen Ornithologen ja aus, wenn ich die in meinem Bildband zeige!”. Er wollte schon fast wieder abreisen, als er am letzten Tag seiner Expedition durch Zufall den grauen Papageien entdeckte, der still und traurig auf seinem Ast saß und sich schämte, weil er nicht bunt war.
“Ein seltener Graupapagei!” rief der Professor entzückt, “ein Psittacus erithacus, wie wunderbar! James, hol die Kamera und das Teleobjektiv!” Und bevor unser Graupapagei sich groß wundern konnte, hatte James ein paar gute Fotos von ihm geschossen, und der Professor zog zufrieden von dannen.
Die bunten Papageien hatten das Ganze beobachtet und feierten Psitti, wie sie ihren Graupapagei seit diesem Tag ehrfurchts- und liebevoll nennen, wie einen Helden. Dem war das fast schon unangenehm, denn er war ein von Grund auf bescheidener Papagei. Trotzdem freute er sich darüber, selten zu sein. Denn bunt sein, mein Kind, ist nicht alles. Manchmal ist es besser, einfach nur anders zu sein als die anderen.






