Apfel

Ich dachte immer, dass Kinder erst mit ungefähr zwei Jahren anfangen zu sprechen. Aber ich muss zugeben, dass ich furchtbar stolz darauf bin, was Linda jetzt schon alles sagen kann – und das ganz ohne Drill oder überdurchschnittlich hohe Wiederholungsraten. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass sie Wörter, die sie eher zufällig aufschnappt, schneller und lieber lernt als Wörter, die ich ihr beizubringen versuche.

Lindas aktueller Wortschatz:

  • Dieter (= Linda)
  • Mama (= Mama, Papa, Hunger, Durst, aua, alles doof, ich will auf den Arm etc.)
  • Papa
  • Kaka
  • Baby (= alle Menschen, die nicht Mama oder Papa sind)
  • Ball
  • Banane
  • Apfel
  • haben
  • Brezn
  • Zebra
  • Esel
  • Auto
  • Mimi (= Milch)
  • Stein
  • Kastanie
  • Ei
  • Papagei
  • nein
  • Schuh
  • Kuckuck

Ach ja, und gestern Abend hat sie ihren ersten Zweiwortsatz gesprochen. Das ging so:

„Linda, willst du jetzt die Mimi haben? Und dann ins Bett gehen?“

„Mimi!“

„Ja, die ist fertig, die Mimi. Willst du sie haben?“

„Ham!“

„Und dann gehst du schön ins Bett, okay?“

„Mimi ham!“

In meinem nächsten Leben mache ich eine Schreinerlehre. Nix mehr mit Goethe, Brechts früher Lyrik, Two-Step-Flow und Auslautverhärtung. Auch keine Content-Konzepte mehr, keine Exposés, keine Romane und keine Wire Frames. Stattdessen Holz, Hobelspäne und Schwielen an den Händen.

Wobei, wenn ich ehrlich bin, geht’s mir gar nicht so sehr um das Handwerk des Schreiners. Meine Sehnsucht nach Holz rührt eher daher, dass ich in letzter Zeit ständig „Meister Eder und sein Pumuckl“ höre. Beim Arbeiten, beim Abspülen, beim Aufräumen und wenn ich mit meiner Tochter spiele. Der Schreinermeister und sein Kobold beruhigen mich in diesen chaotischen Zeiten, in denen mein Kopf so voll ist und der Tag 30 wache Stunden bräuchte, um halbwegs bewältigt zu werden.

Es ist nicht nur die Erinnerung an die Kindheit. Wobei die auch faszinierend ist. Als Kind habe ich mir, lange bevor es die TV-Episoden des Pumuckl gab, bei jeder Folge die Werkstatt, den Hof und die Wohnung ein bisschen anders vorgestellt. Und obwohl das über 25 Jahre her ist, kann ich mich noch genau an jede Location erinnern. 

Viel mehr noch aber als die Kindheitserinnerungen beruhigt mich die Art und Weise, wie Schreinermeister Eder sein Leben führt. Er ist ein einfacher Mann, der hart arbeitet, aber nur, um sein Brot, seine Wurst und sein Bier bezahlen zu können. Er will nicht reich werden, er ist ein bescheidener Mensch. Er hat ein paar gute Freunde, gerne seine Ruhe, macht seine Arbeit gut und gerne und stellt ansonsten keine hohen Ansprüche ans Leben. Meister Eder jammert nicht, dass er keine Frau hat, er braucht keine Fernreisen, sondern freut sich über eine Woche Ausspannen auf einem bayerischen Bauernhof. Er hat ein Gespür für Recht und Moral, ist aber kein Moralist. Er ist zufrieden und ausgeglichen, hat aber auch mal grundlos schlechte Laune. Er flucht, raucht und hat ein weiches Herz. 

Ein Schreiner aus einer Kinderserie als Vorbild für ein glückliches Leben? Irgendwie schon. 

Immer, wenn ich das Gefühl habe, ohne iPhone nicht mehr weitermachen zu können, stelle ich mir vor, was wohl Meister Eder zu meinem Wunsch sagen würde. „Brauch i ned, des neimodische Zeig, ohne des lebt sich’s genauso gut“, vermutlich. Und dann würde er fluchend seine Feile suchen, die der Pumuckl mal wieder wegversteckt hat.

In der Entwicklungstabelle für Babys und Kleinkinder steht bei 12-15 Monaten in der Spalte „Soziale Intelligenz“ unter anderem: „Befolgt einfache Anweisungen“. 

Dazu folgende kleine Geschichte.

Heute war ich mit Linda bei ihren Großeltern. Opa hatte Geburtstag. Irgendwann am späten Nachmittag, der Kuchen war gegessen und das Spielzeug über das ganze Haus verteilt, befand Linda, dass es Zeit wäre, zu gehen.

Sie krabbelte aus dem Wohnzimmer in die Diele und kam mit einem ihrer Schuhe zurück. 

„Was willst du denn mit einem Schuh? Das sind doch immer zwei. Bring mal den zweiten!“ sagte Opa zu Enkelin, und ich dachte unwillkürlich etwas wie „sie ist 14 Monate, nicht 14 Jahre alt“ …

Linda aber blickte ihren Großvater ernst an, überlegte sichtlich kurz, drehte sich dann um und krabbelte zurück in die Diele. Dort fischte sie den zweiten Schuh vom Regal und machte sich auf den Rückweg ins Wohnzimmer.

 

Ich glaube nicht, dass Barack Obamas Mutter, würde sie noch leben, am heutigen Tag stolzer auf ihren Sohn wäre als ich es auf meine Tochter bin. Und das alles wegen zwei violetter Chucks in Größe 19.

Meine Tochter ist nun 14,5 Monate alt, und allmählich beginnt sie, sich von einem Hamster zu unterscheiden. Was ihre Intelligenz angeht. 

Wenn sie gewickelt werden will, krabbelt sie in Windeseile, laut „kaka“ flüsternd (nein, laut flüstern ist kein Paradoxon für Kleinkinder), ins Schlafzimmer zur Wickelkommode, sich dabei ab und zu umsehend, ob man ihr auch folgt. Mit diesem Ritual lässt sie sich gerne wickeln. Ansonsten gibt’s Theater. Sie bestimmt also selbst, wann die Windel gewechselt werden soll und wann nicht. 

Sie kann deutlich und richtig zugeordnet „Ball“ sagen und „Stein“, „Mama“ und „Papa“ sowieso. Eine Kastanie ist ein Ball, eine Eichel ein Stein.

Wenn sie raus möchte, holt sie ihre Schuhe und klettert in die Sitzschale ihres Kinderwagens. 

Wenn ich telefoniere, deutet sie auf das Telefon und sagt „Papa“.

Sie hat schneller herausgefunden als ich, wie man die Tasten des Stoffklaviers vom Flohmarkt drücken muss, damit ein ganzes Lied ertönt. 

Sie erkennt die kleine Raupe Nimmersatt aus ihrem Buch als gesticktes Tier auf ihrer Flowerpower-Jeans wieder, obwohl die Jeansraupe ein wenig anders aussieht.

Und heute morgen hat sie mit meiner kleinen Digicam ihr erstes eigenes Foto gemacht.

seifenblase

Traurigkeitsbegabt sei ich, schrieb mir mal Freund M. Ein Wort, das mir sehr gefällt und in dem ich mich wiederfinde, das ich als warmen Mantel benutzen kann, wenn es schneit oder als Sonnenschutz, wenn es heiß ist. Traurigkeitsbegabt, das klingt schön. Und fast schon wieder positiv.

Die Kehrseite davon ist glücksunbegabt

Nicht, dass ich kein Glück empfinden könnte. Oh doch. Und wie. Ich weiß, wie es ist, wenn man innerlich überschäumt, fast zu platzen droht, wenn einem die Seligkeit das Wasser in die Augen drückt und man unwillkürlich an Goethe denken muss und was er seinen Faust dem Augenblick zurufen ließ: „Verweile doch! Du bist so schön!“

Das Problem: Ich denke. Immer. Und überall. Außer vielleicht im Hackerzelt nach zwei Wiesn-Mass *. 

Und weil ich denke, weiß ich in den glücklichen Momenten, dass sie vergänglich sind wie die Seifenblasen, mit denen ich meine Tochter zum Lachen und Staunen bringe. Und nicht nur vergänglich sind sie, sie platzen auch leicht, die Seifenblasenmomente: Ein falscher Gedanke, eine Angst, die sich ins Bewusstsein schleicht, eine Sorge, und sei es nur um die Steuererklärung 2008, die immer noch nicht erledigt ist oder um das DSL, das immer noch nicht funktioniert, und der Augenblick verabschiedet sich mit einem kaum hörbaren „papp“ ins Nichts. 

Beim Blick in die schillernde Seifenblase wird zudem offenbar, was fehlt. Und irgendwie fehlt immer irgendwas. Ein geliebter Mensch, eine Hoffnung, die Verheißung des Sommers oder ein Granita mit Himbeergeschmack.

Ich glaube, dass der Grund für meine Liebe zur Fotografie in den Seifenblasenmomenten liegt. Ich genieße lieber rückwärts. Ich sehe mir meine Fotos an und spüre das Glück, das ich im eigentlichen Augenblick nicht empfinden konnte. 

Und wenn alles nichts hilft, kann ich immer noch mit Photoshop das ins Bild hineinretuschieren, was in der Realität fehlte. 

 

* aktueller Bezug

Elf Monate lang hatte ich mich auf dieses Konzert gefreut – das Coldplay-Open-air im Reitstadion Riem am 29. August 2009. Nach München (Zenith), Böblingen, Oberhausen und München (Olympiahalle) mein fünftes Coldplay-Konzert und das erste unter freiem Sommerhimmel. Das Kind war bei den Großeltern untergebracht, die Sonne schien, und bevor wir aufbrachen, checkte ich acht Mal meine Konzerttasche: Alles dabei? Handy, Digicam, Geld, Schlüssel, Lippenstift, Zigaretten, IsarCard … Ja, alles dabei. Viva-la-Vida-Shirt am Körper. Ready. Go.

19 Uhr 10: „Dein Ticket hast du aber schon?“ fragte mein Mann eher spaßeshalber, als wir am Hauptbahnhof in die S2 Richtung Riem steigen wollten.
„Äh, nein.“

19 uhr 15. Um 19 Uhr sollten die Vorbands beginnen, gegen 21 Uhr dann Coldplay. Kein Grund zu Panik. Zurück zur U-Bahn, Ankunft zu Hause um 19.26 Uhr, Treppensprint von B. in die Wohnung, Rückfahrt mit der Gegen-U-Bahn um 19.29 Uhr. Als wir wieder am Hauptbahnhof waren, hatte sich die Zahl der als Konzertbesucher identifizierbaren Menschen auf dem Bahnsteig deutlich verringert. Ich wurde nervös. Und B. hörte Radio. Der FC Bayern spielte gerade und schoss sogar Tore, und noch nie hat mich das so wenig interessiert wie gestern.

20 Uhr. S-Bahnhof Leuchtenbergring. Warten. Rauchverbot. Verdächtige Leere. Ungutes Gefühl.

s-bahn
20 Uhr 15, Ankunft in Riem. Beim Verlassen des Zuges: Vertraute Klänge. Zu vertraut. Geliebt sogar. Scheiße. Die haben schon angefangen! 
„Die haben schon angefangen!!!“
„Drei null! Wieder Robben! Unglaublich.“
Ich rannte los. Und B. mir hinterher. Über einen Kilometer von der S-Bahn bis zum Stadion, angepeitscht von Violet Hill und Clocks. Bei den ersten Klängen von In My Place (das erste Lied, das ich je von Coldplay hörte, damals, 2001 im Radio irgendwo in den schottischen Highlands, die Sonne kam gerade durch die Wolken) erreichten wir die Eingänge. 

„Stehplatz? Da müsst’s eigentlich da drüben nei!“
„LASS! MICH! GEFÄLLIGST! DA! DURCH!“ Und ich kann doch autoritär sein. Die Security-Frau zuckte zusammen und machte den Weg frei.

20 Uhr 25: Bei Yellow beruhigt sich mein Atem langsam, B. bringt mir ein Bier in einem wunderschönen Coldplay-Tourbecher und meine Welt ist wieder in Ordnung. Fast. Denn wir stehen zwar weit vorne, aber am Rand. Sehr am Rand. Ränder geht’s fast nicht.  
„Komm, wir drängen uns weiter nach innen rein!“
„Dafür hätten wir früher dran sein müssen. Bleiben wir lieber hier stehen.“
„Ja, hast recht.“ Selbst schuld, Ticketvergesserin!

Coldplay
20 Uhr 55: Direkt hinter mir beginnen die Ordner damit, eine Gasse mit rot-weißem Sicherheitsband abzusperren. Mein Magen kribbelt. Ich ahne etwas. Ich rücke unauffällig näher an die Absperrung, bis ich direkt an der Gasse stehe.

Viva la Vida! Das Publikum oooooh-ooooooh-oooooht kräftig mit.

21 Uhr: Die Ordner gehen die Gasse ab und checken den Boden mit Taschenlampen auf Flaschen, Becher, Scherben. Ich frage einen Security-Mann, was hier passiert. Och, das sei nur, weil so viele Leute da seien, meint er, als Rettungsweg

21 Uhr 05: Ein Raunen geht durch die Menge, und ich entscheide mich spontan dafür, die Digicam wegzupacken und einfach nur zu schauen. Und dann kommt die Band die abgesperrte Gasse entlang, im Blitzlichtgewitter der Digicams. Ich sehe Guy, ich sehe Will, ich sehe bullige Bodyguards, und dann sehe ich ihn. Wie in Zeitlupe. Ich strecke meinen rechten Arm aus, über das Absperrband hinüber, und Chris Martins Hand streift für einen Augenblick meine. 

Danach singen sie irgendwas, hinten auf der Tribüne. Green Eyes, glaube ich. Und dann ein Michael-Jackson-Cover, Billie Jean. Zeit, mich zu sammeln.

21 Uhr 25: Die werden doch nicht den gleichen Weg zurück nehmen? Nein, die gehen bestimmt andersrum. Anyway. Diesmal halte ich einfach die Kamera hin und drücke so oft auf den Auslöser, wie es geht. 

CHRIS MARTIN

 

21 Uhr 45: Ich checke meine letzten Fotos und kann es kaum fassen. Auf den meisten sind nur bullige Bodyguards zu sehen, die grimmig durch die Menge stapfen, aber auf einem ist tatsächlich er. Womit habe ich eigentlich so viel Glück verdient?

 

Als Zugabe dann noch The Scientist. Zuhören. Runterkommen. Glücklich sein. Staunen. Darüber, wie mich diese Band immer wieder verzaubert, wie viel mir ihre Musik bedeutet und welch wunderbare Folgen es haben kann, wenn man sein Konzertticket zu Hause vergisst.

Die meisten werdenden Eltern lassen sich beim Kinderwagenkauf eingehend beraten, surfen stundenlang im Internet, befragen Communities und Ratgeberseiten, Stiftung Warentest und YouTube. Klar, der richtige Kinderwagen für die eigenen Bedürfnisse und die des Zwergs ist wichtig. 

Viel wichtiger aber als der Kinderwagen (dessen Wahl meist einfach Geschmacksache ist), und das besonders im ersten halben Jahr mit Baby, ist die richtige Tragehilfe. Denn Babys, soviel steht fest, wollen lieber getragen werden als geschoben. Sie brauchen – besonders in den ersten drei Monaten ihres Lebens – die körperliche Nähe und Wärme der Eltern und fühlen sich viel wohler, wenn sie getragen werden. Getragene Kinder entwickeln ein besseres Urvertrauen, atmen ruhiger, schreien weniger, schlafen besser und werden früher selbständig als geschobene Babys. Abgesehen davon, dass man mit einem Baby im Tragetuch beide Hände frei hat und wunderbar fast alles erledigen kann. 

Aber welche Tragehilfen sind gut, von welchen ist eher abzuraten? Als meine Tochter zwei Wochen alt war, ließ ich eine Trageberaterin ins Haus kommen, die mir alles rund ums Tragen und die Utensilien dazu erklärte. Dieses Wissen und meine Erfahrung möchte ich gerne weitergeben.

  1. Das Tragetuch
    Es eignet sich vor allem für die ersten Monate bzw. das erste Jahr, wenn das Baby noch nicht so schwer ist.   

    Vorteile: Die Bindemöglichkeiten sind vielfältig, so kann man am Anfang die „Kreuzwiege“ binden und später das Baby in aufrechter Haltung transportieren. Das Tuch ist weich und atmungsaktiv und kann von Anfang an ohne fremde Hilfe benutzt werden.
    Nachteile: Nicht jeder ist geschickt genug, um so ein 5 Meter langes Tuch zu binden, manche trauen sich nicht, es fest genug zu wickeln und etwas Übung gehört schon dazu. Außerdem kann das Wickeln in der Öffentlichkeit, z.B. in einem Restaurant, etwas umständlich sein, wenn die Enden des Tuches am Boden schleifen.

    Tragetuch

    Unterschiedliche Tücher
    Es gibt die klassischen, gewebten Tragetücher, z.B. von Didymos (http://www.didymos.de/)  oder Hoppediz (http://www.hoppediz.de), die man für Kinder im Alter bis zu drei Jahren verwenden kann, weil sie nicht elastisch sind. Dafür müssen sie etwas korrekter gebunden werden als die elastischen Tragetücher, z.B. der MobyWrap (http://www.mobywraptragetuch.de), die man auch mit Baby drin noch ganz gut nachjustieren kann. Wird das Kind schwerer, ist der MobyWrap allerdings nicht mehr so leicht zu handhaben.

     

  2. Marsupi Plus 
    Diese Tragehilfe wurde mir von meiner Trageberaterin für mein besonders zartes Baby (damals 2600 Gramm) ans Herz gelegt, weil man sie von Anfang an verwenden kann. Der Marsupi ist ein großes Stück Stoff mit Trägern und Klettverschlüssen und einem Verkleinerer für die Neugeborenen. Man schnallt sich das Ding einfach um, setzt sich das Baby vor den Bauch, überkreuzt die Träger im Rücken und klettet sie vorne – quasi am Babyrücken – wieder fest. Einfacher geht’s nicht. Das Kind sitzt direkt ohne störenden Stoff am Bauch der Mutter oder des Vaters. Der Nacken wird durch eine Art Kragen gestützt, den man auch zuknöpfen kann. Ist das Kind größer, kann es bequem oben herausschauen und auch etwas sehen.
    Einziger Nachteil: Wenn das Baby schwerer wird (ca. ab 7 Kilo, je nach Konstitution des Trägers), hängt das Gewicht doch ziemlich an den Schultern von Mama oder Papa.
    http://www.marsupiplus.de 
      

    Marsupi

     

  3. Manduca
    Nicht ganz so schlicht und simplifiziert wie der Marsupi, aber ähnlich. Der Unterschied: Die Manduca hat einen breiteren, festeren Hüftgurt, der angeblich mehr vom Babygewicht auf die Hüften des Trägers verlagert. Ergonomisch auch sehr zu empfehlen. 
    http://manducababytrage.de
     
  4. Ergo Baby Carrier
    Vor einem Jahr der neueste Schrei – und eine super Anschaffung.  Mit 99 Euro ziemlich teuer, lohnt sich aber. Im Gegensatz zum Marsupi hat der Ergo Carrier einen richtig breiten, stabilen Hüftgurt, wie ein Trekkingrucksack. Das Gewicht des Kindes hängt nicht an den Schultern, sondern verteilt sich wirklich gut auf Rücken und Hüften. 
    Weiterer Vorteil: Mit dem Ergo Carrier lässt sich der Zwerg auch super auf dem Rücken tragen – oder auf der Hüfte. So transportiere ich meine 13 Monate alte Tochter noch heute häufig. Sie sieht in dieser Haltung genug, kann sich aber auch schön ankuscheln oder schlafen, wenn sie möchte. Und ich habe die Hände frei und bin nicht auf Rolltreppen oder Aufzüge angewiesen.
    Mit dem Ergo Carrier kann man sogar Bergtouren machen, braucht also erstmal keine teure (und nicht ungefährliche) Kraxe.
    Wenn der Zwerg im Ergo einschläft, kann man einfach die Kapuze mit Druckknöpfen an den Schultergurten befestigen, so kann der Kopf nicht wegkippen und das Kind ist vor Sonne oder Regen geschützt. 
    http://www.ergobaby.eu   

    Tipp: Wenn Sie eine Hebamme kennen, fragen Sie sie mal. Hebammen bekommen einen großzügigen Rabatt beim Erwerb eines Ergo Baby Carriers.
     

Wichtig zu wissen

Nicht zu empfehlen ist der (leider immer noch sehr beliebte) BabyBjörn. Durch die feste Schale, in der die Babys stecken, ist die ergonomisch einzig gute Haltung eines Babys, die so genannte Anhock-Spreiz-Haltung, nicht möglich. Der Babyrücken ist viel zu gerade, die Beine hängen nach unten, und besonders kleine Jungs leiden, weil sie mit ihrem Gewicht auf ihren Geschlechtsteilen sitzen müssen.

 

Die korrekte Anhock-Spreiz-Haltung (Foto: Didymos)

Die korrekte Anhock-Spreiz-Haltung (Foto: Didymos)

Außerdem sollte man sein Baby niemals mit dem Gesicht nach vorne tragen, also weg von der Mutter oder dem Vater. Für kleine Kinder ist der Input durch das Geschehen auf der Straße viel zu viel, Babys können diese Flut von Reizen und Eindrücken nicht verarbeiten. Man sollte sich auch nicht davon täuschen lassen, wenn das Baby einen neugierigen Eindruck macht und Interesse am Geschehen zeigt – wird es nach vorne getragen, sind ihm die Eindrücke trotzdem zu viel. Wenn es größer ist, kann es auf der Hüfte oder am Rücken sitzen und so genug sehen.
 

FAQ

F: Ab wann kann ich mein Baby tragen?
A: Ab der Geburt, wenn es gesund und kein Frühgeborenes ist. Am Anfang am besten im Tragetuch oder Marsupi Plus mit Verkleinerer.

F: Wie lange kann ich mein Kind tragen?
A: Mit der geeigneten Tragehilfe, bis es ca. 3 Jahre alt ist bzw., bis es Ihnen einfach zu schwer wird.

F: Gibt es Babys, die nicht getragen werden wollen?
A: Eigentlich nicht. Manchmal müssen sich die Zwerge erst an Tuch oder Tragehilfe gewöhnen, besonders, wenn sie nicht von Anfang an getragen werden. Wenn sich das Baby zunächst beschwert, wirkt ein flotter Spaziergang mit Kind im Tuch Wunder.

F: Bekommt mein Baby im Tuch auch genug Luft?
A: Ja. Die Kölner Studie (http://www.uni-koeln.de) beweist, dass Neugeborene im Tuch nur 1% weniger Sauerstoff bekommen als ohne Tuch – weil sie im Tuch wesentlich ruhiger atmen und entspannter sind.

F: Gibt es Videoanleitungen für die verschiedenen Wickeltechniken des Tragetuchs?
A: Ja, zum Beispiel hier: http://www.youtube.com/watch?v=KTRKAFiYAIc

F: Brauche ich dann eigentlich noch einen Kinderwagen?
A: Eigentlich nicht. Trotzdem ist der ganz praktisch, z.B. zum Einkaufen oder für längere Spaziergänge. Allerdings ist es gut, das Tragetuch immer dabei zu haben.

F: Wo kann ich die verschiedenen Modelle am besten kaufen?
A: Im Internet, z.B. bei www.tragezauber.de oder www.tragemaus.de. Die Inhaber der Shops bieten gute Beratung und man kann die Tragehilfe z.B.  in zwei Größen bestellen und eine zurückschicken, wenn man sich bei der Auswahl unsicher ist. 

F: Ich will auch so eine Trageberatung. Wo finde ich die?
A: Zum Beispiel – in München – bei www.einfachtragen.de.  Für andere Städte einfach „Trageberatung + Stadt“ googlen.

F: Ich habe noch eine Frage. Was nun?
A: Fragen Sie mich :-)

Brombeeren
Früher hatten die Jahreszeiten keinen so großen Einfluss auf meine Stimmung. Noch vor ein paar Jahren konnte ich den September – eigentlich doch mein Lieblingsmonat –  aus vollem Herzen lieben. Spätsommersonne, Oktoberfest, blauer Himmel, bunte Bäume, mein nahender Geburtstag … Dass der September auch das Ende des Sommers markiert, störte mich nicht, denn so viel hatte mich das Leben gelehrt: Es kommt immer wieder ein Neuer! Also, Sommer.

Jetzt bin ich ein paar Jahre älter und habe ein Kind. Der vergangene erste Winter meines neuen Lebens als Mutter war lang, kalt und mitunter sehr, sehr düster. Der Frühling war mir eine körperlich spürbare Erleichterung, und schwupp, schon war er da, der Sommer, und er schrie: genieß mich! Los! In vollen Zügen oder zumindest im überfüllten Freibad! Geh raus mit deinem Kind, in den Park, auf den Spielplatz, kauf dir einen Radlanhänger und fahr dann auch damit! Biergarten! Grillen! Isar! See! Berge! Meer! Wochenendtrips! Schwimmen! Braun werden! Genießen, auskosten, leben!

Und ich gehorchte und genoss. Und fotografierte diesen Sommer, jeden Tag, im verzweifelten Versuch, ihn festzuhalten, ihn zu verlängern in den Herbst hinein, ihn unsterblich zu machen.

Nicht, dass er schlecht war. Es war ein wunderbarer Sommer. Aber wie Konstantin Wecker in seiner Vorrede zum Lied „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ sagt: Noch soundso viele Jahre zu leben haben, voraussichtlich, das fühlt sich ziemlich lang an. Sagt man aber „noch 20 / 30 / 40 / 50 Sommer“, dann ist das auf einmal verdammt überschaubar. 

Wie viele Sommer noch? Das weiß ich nicht. Vielleicht keiner mehr, vielleicht noch 60, wahrscheinlich irgendwas dazwischen. Aber eines ist sicher: Nur noch vier Sommer mit Kleinkind. 

Man kann die Zeit nicht festhalten, genauso wenig wie den Sommer, die Liebe oder das Glück. Man kann aufschreiben und fotografieren wider das Vergessen, aber das ist am Ende nur ein Einwecken einer Zeitspanne. Wie Himbeeren, die als Marmelade im Winter vage an das Gefühl erinnern, eine frisch gepflückte Beere am Gaumen zu zerdrücken. 

Bye-bye, Sommer. 

Du warst sehr groß. Ich hoffe, ich sehe dich wieder!

Heute morgen betrat ich die U-Bahn Richtung Hauptbahnhof in Begleitung eines schwarzen Bürostuhls. Schon auf dem Bahnsteig sahen mich die Leute seltsam an, was vielleicht daran lag, dass ich mich auf dem Stuhl niederließ, bis die U-Bahn kam. Eigentlich naheliegend, wenn man schon mal ein Sitzmöbel dabei hat.

In der U-Bahn dann die nächsten irritierten Blicke. „Ja hat die denn kein Auto?“ las ich in den Augen meiner Mitreisenden, oder „Zum Glück ist der Berufsverkehr schon vorbei, sonst hätt’s Ärger gegeben, Mädel!“. 

Ich blieb brav neben meinem Stuhl stehen, um weitere Konfusionen zu vermeiden und nicht zu sehr aufzufallen. Nicht, dass jemand Angst bekäme, ich würde die U1 das nächste Mal mit einem Sofa im Schlepptau betreten.

Am Stiglmaierplatz stieg dann ein Mann zu und stellte sich mir gegenüber hin. Er lächelte mich kurz an, würdigte meinen Bürostuhl aber keines Blickes, als sei es das Normalste von der Welt, am Montagmorgen mit einem Stuhl U-Bahn zu fahren. Ich lächelte dankbar zurück und verliebte mich auf der Stelle. Was für ein Mann! 1,90 groß, schlank, und unter seinem dunkelgrauen Anzug war eine sportliche Figur eher zu ahnen als zu sehen. Kurze, dunkle Haare, silberne Schläfen, ein kantiges, offenes Gesicht, lachende graue Augen mit vielen Fältchen außenrum. Und ein Grübchen im Kinn. Zudem duftete er ganz dezent – nicht nach After Shave oder gar Eau de Toilette, sondern einfach nach frisch geduschtem Mann. Am linken Handgelenk trug er eine flache, schlichte Uhr mit Handaufzug. Kein schöner Mann. Ein umwerfender Mann. Ein Traum von einem Mann, mein Traum von einem Mann.

Im Tunnel drehte er sich zur Türscheibe und versuchte, in der Spiegelung den schief sitzenden Knoten der hellblauen Krawatte gerade zu rücken. Mit mäßigem Erfolg, wie ich bemerkte, als er sich wieder mir zuwandte. Und dann tat ich etwas, was mir bis jetzt unbegreiflich ist: „Warte mal“, sagte ich zum unbekannten Schönen, machte einen Schritt auf ihn zu und richtete seinen Krawattenknoten mit einem Handgriff gerade, der so geübt wirkte, als würde ich das jeden Morgen bei meinem Ehemann machen. In Wahrheit habe ich noch nie einem Mann den Krawattenknoten zurecht gezupft, und schon gar nicht einem Wildfremden in der U-Bahn.

In den drei Sekunden, die ich an der hellblauen Seide nestelte, konnte ich die Wärme seines Körpers durch das Hemd hindurch unter meinen Fingern spüren und seinen Atem in meinem Haar. Und ganz kurz träumte ich davon, er möge mich mit der Hand um den Nacken fassen und an sich ziehen. Ich wäre mit ihm bis zum Mangfallplatz gefahren.

„Danke“, sagte der schöne fremde Mann nur, als sei es ganz selbstverständlich, dass ich mich an seinem Krawattenknoten zu schaffen gemacht hatte, und lächelte. Unsere Blicke blieben verbunden, bis wir den Hauptbahnhof erreichten. Dort stieg er aus, streifte dabei leicht meinen Arm, lächelte noch einmal und sagte leise: „Bis bald.“ Vielleicht habe ich mir das aber auch nur eingebildet. 

Am Kolumbusplatz fiel mir ein, dass ich am Hauptbahnhof hätte umsteigen müssen. Ich verließ die U-Bahn, rollte meinen Bürostuhl auf den gegenüberliegenden Bahnsteig und wartete dort auf die Gegen-U-Bahn. 

Gut, dass ich eine Sitzgelegenheit dabei hatte!

Ich kann ja schließlich nicht nur dann bloggen, wenn mich etwas aufregt. (Wobei es dann am besten klappt …)

Danke!

Danke.

Heute will ich mich zur Abwechslung bedanken.

Bei meinen Freunden, die auf Facebook so bereitwillig Fans von „göttlicher schreiben“ geworden sind, obwohl noch nicht mal das Logo meiner Firma final ist.

Bei meinen Freunden, die immer wieder und mit unerschöpflicher Geduld liebe Kommentare zu meinen vielen, vielen Fotos von Linda posten. Ich freue mich immer sehr darüber, auch wenn ich sie nicht erwarte.

Bei meinen Freunden und Bekannten, die mich in der anstrengenden und nicht immer einfachen Phase meiner Firmengründung unterstützen, mir Mut machen, mir Feedback geben, mir helfen und an mich glauben. Danke! Ohne Euch würde das alles nicht gehen.

Bei meinen Lesern, weil ich ohne sie kaum eine Chance hätte, freiberuflich zu arbeiten.

Bei meinen Eltern, die dafür sorgen, dass ich ab und zu etwas Kalorienreiches esse, die mich immer unterstützen und die sich hoffentlich schon mal für den Oktober wappnen, wenn das süße, aber anstrengende Enkelkleinkind vielleicht etwas häufiger zu Besuch sein wird … 

Bei Patricia, die mich mit schlafwandlerischer Sicherheit und untrüglichem Instinkt immer dann auffängt, wenn ich stolpere und der ich erzählen kann, was ich sonst niemandem erzählen kann.

Bei Isabella, in der ich eine gute Freundin gefunden habe, die mein Leben bereichert.

Bei Kerstin, die mir trotz der 700 km Entfernung sehr nah ist.

Bei meinem Mann, der all meine Spinnereien, Luftschlösser, Launen und Ungerechtigkeiten gelassen erträgt und trotzdem noch bei mir ist.

Bei Linda, weil sie mein Leben ist.

Nächste Seite »