Liebe Leser,

inspiriert von Freundinkolleginautorin Katja Büllmann, möchte auch ich eine kleine Umfrage starten. Ich hoffe auf rege Teilnahme – einfach die Fragen in den Kommentar posten und die Antworten überschreiben mit dem, was Ihr denkt!

Ausgangssituation: Wir nehmen an, dass dieses gerade aktuelle Leben nicht das erste und nicht das letzte ist, das wir haben. Egal, ob Ihr an Reinkarnation glaubt oder nicht, ob Ihr katholisch, atheistisch oder buddhistisch eingestellt seid, stellt Euch bitte einfach vor, es gäbe noch mehrere Leben.

Welche fünf Berufe möchtet Ihr in den nächsten Leben ausüben?
Fotografin. Gärtnerin. Innenarchitektin. Grafik-Designerin. Nanny.

Welche fünf Berufe möchtet Ihr in den nächsten Leben nicht ausüben?
Beraterin. Sterneköchin. Psychotherapeutin. Zahnärztin. Producerin beim TV.

Welchen Ratschlag von Eltern oder Freunden würdet Ihr im nächsten Leben unbedingt befolgen?
Tu immer, was dein Herz dir sagt. (Der Ratschlag eines Baumes, btw.)

Welchen Ratschlag von Eltern oder Freunden würdet Ihr im nächsten Leben nicht mehr befolgen?
Gehe nicht für längere Zeit ins Ausland, sonst kannst du hier nicht mehr Fuß fassen.

Welche Chance würdet Ihr Euch nicht entgehen lassen?
Für mindestens ein Jahr nach Australien zu gehen, solange ich noch keine Kinder habe.

Und worauf würdet Ihr freiwillig verzichten?
Auf mehr Klamotten als nötig sind, auf eine Eigentumswohnung, überhaupt auf unnötigen materiellen Besitz.

Wenn Ihr die Wahl hättet: Entweder Euch nicht mehr verlieben oder ein Leben lang unglücklich verliebt sein: was würdet Ihr wählen?
Ein Leben lang unglücklich verliebt sein. Es wäre nicht besonders lang und in der kurzen Zeit könnte Weltliteratur entstehen.

Wenn Ihr Euch eine Nationalität aussuchen könntet, in der Ihr geboren werdet, welche würdet Ihr wählen?
Ich wäre gerne Französin. Inklusive des guten Aussehens, des Stils, der tollen Sprache und der schönen Haut.

Wärt Ihr lieber klüger und unglücklicher oder dümmer und glücklicher?
Beim nächsten Mal zur Abwechslung bitte dümmer und glücklicher. Aber nicht so dumm, dass ich mein Glück nicht zu schätzen wüsste.

..:: ENDE ::..

Vorbemerkung: Damit mir nicht wieder jemand eine Eheberatung ans Herz legt: Dies, was nun folgt, war ein Traum. Traumdeuter und Psychologen: bitte heute ein anderes Blog lesen.

Ich war auf Menorca oder Lanzarote – das wechselte ein paarmal, aber über solche Nebensächlichkeiten wundert man sich ja im Traum nicht – in einem noblen All-Inclusive-Club, und machte Urlaub mit alten Schulfreunden. Jan war mit von der Partie, Judith, die beiden Monis, Ingrid, Martin, Jochen, in den ich vor zwanzig Jahren mal ein bisschen verliebt war … Am Abend auf der finalen Gala kam es so, dass ich plötzlich neben George Clooney am Buffet stand. Das erste, was ich dachte, war: Der ist ja gar nicht so klein! Heimlich wikipediate ich ihn rasch mit meinem iPhone und stellte fest, er misst einen Meter achtzig. Er sah meinen Minicomputer, fragte mich, ob er mal rasch seinen Facebook-Account checken dürfe, ich dachte mir, scheiß auf hohe Roaming-Kosten und ließ ihn ran. Ans iPhone. So kamen wir ins Gespräch, tranken später am Abend ein paar Wodka Martini zusammen, viel später noch einen Nespresso, und dann wechselte die Szenerie, ohne dass wir uns wunderten.

Es war eine kühle deutsche Sommernacht und wir standen auf der Straße vor dem Haus. Dem Haus meiner Eltern, bei denen ich ausnahmsweise übernachten sollte. Es war drei Uhr früh. George und ich schlichen uns die Treppe hinauf in mein altes Kinderzimmer, mein Bett war gemacht und ich erkannte meine Lieblingsbettwäsche aus den Achtzigerjahren wieder, schwarze Wäsche mit weißen, stilisierten Katzenköpfen im Keith-Haring-Stil drauf. Zum Glück war es recht dunkel. Mein Bett war im Traum ein wenig breiter als das 90-Zentimeter-Ding in echt, und so kam es, dass George mir den Rest der Nacht immer wieder ausweichen konnte, obwohl ich mich fast ganz ausgezogen hatte und merkte, dass er bestimmt nicht schwul ist. Er hätte Hemmungen, nur durch eine Reihenhauswand von meinen Eltern getrennt, meinte er entschuldigend und in perfektem Deutsch, aber wenn ich Lust, also, wenn ich auch noch ein bisschen Zeit hätte und Lust, also, jedenfalls habe er noch bis zu seinem Abflug ans Set von “Up In The Air” am nächsten Nachmittag seine Suite im Mandarin Oriental gebucht, und wir könnten ja … Ich zählte die Minuten, bis es endlich hell wurde, und beim ersten Tageslicht weckte ich George und zeigte ihm, wo das Bad ist.

“Darling, ich fürchte, es ist besetzt”, sagte er und deutete auf die Lichtstreifen, die unter der Tür zu sehen waren. Schnell scheuchte ich ihn die Treppe hinunter aufs Gästeklo. Leider lief er auf halbem Weg meinem Vater in die Arme, der im Pyjama die Zeitung las. Ich schwöre, seine Überraschung betraf meinen männlichen Übernachtungsgast und nicht, dass dieser Gast George Clooney war. Aber er überspielte sie gut und fragte George freundlich, ob er ein Rühr- oder Spiegelei bevorzuge. “George will gar kein Ei, wir haben es eilig”, fauchte ich, George verzog sich lächelnd zum Pinkeln und ich begann hektisch, meine Siebensachen zusammenzukramen.

[Anmerkung für die Traumdeuter und Psychologen, die sich meiner Bitte widersetzt und doch weitergelesen haben: Das passiert mir häufig in meinen Träumen: Ich muss packen und stelle mich unheimlich blöd an, finde vieles nicht, kann nicht klar denken - auch wenn es nicht George Clooney ist, der mich mit in seine Suite nehmen will - und am Ende gibt es immer ein Ding, ein unwichtiges, das nicht auftauchen will und mich zur Verzweiflung bringt.]

Ich fand meine Wimperntusche nicht und wurde schier wahnsinnig deswegen. Panisch leerte ich den gesamten Inhalt meiner Schminkschublade auf dem Boden aus, kehrte alles, was mir ein Haltbarkeitsdatum nach 1990 zu haben schien, in meine viel zu kleine Tasche und flippte fast aus, weil keine Mascara dabei war. Schließlich ging ich bei meiner Mutter stibitzen, die ordentlicher ist als ich und deren Wimperntusche von Sans-Souci sich seit 34 Jahren oder länger am selben Ort befindet. Bei dieser Aktion weckte ich sie leider, und das Ergebnis war, dass nun beide meine Eltern sich um George kümmerten.

“Unser Schwiegersohn”, sagte mein Vater zum Beispiel und machte eine bedeutsame Pause, “unser Schwiegersohn mag ja am liebsten zwei Rühreier mit Speck, aber ohne Kräuter!” George nickte interessiert und bedeutete mir mit den Augen, mich ein wenig zu beeilen. Ich sah auf die Uhr. Wertvolle Mandarin-Oriental-im-Bett-mit-George-Zeit verrann.

“Unser Schwiegersohn”, fuhr meine Mutter fort, “ist ja so ein liebevoller Vater, er nimmt sich so viel Zeit für die Kleine, das gab es früher gar nicht!”. Super, Mama, dachte ich, jetzt hast du auch noch mein Kind erwähnt, das ich erfolgreich die ganze Zeit verschwiegen habe. Und meine ganzen Verrenkungen, um meine Kaiserschnittnarbe zu verbergen, waren ebenfalls umsonst.

Es ging so weiter, selbst als George sich die Schuhe anzog, fiel meinem Vater ein Kommentar ein: “Mein Schwiegersohn nimmt ja immer den langen Schuhlöffel, der hat’s mit dem Kreuz!”

Endlich, endlich verließen George und ich das Reihenhaus, und er zwinkerte mir verschwörerisch zu, um mich dann verheißungsvoll in den Hintern zu kneifen, dessen Muskeln ich gerade noch rechtzeitig anspannen konnte. Ich sah die Lust in seinen braunen Augen aufblitzen und dachte erleichtert, dass es wohl doch noch etwas werden würde mit George im Bett.

Dann wachte ich auf.

Natürlich können Männer und Frauen Freunde sein.
Es müssen nur ein paar kleine Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel sollte einer von beiden sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, der Mann kann wahlweise schwul sein oder werden oder die sexuelle Anziehungskraft muss eher eine Abstoßungsenergie sein, was selbstverständlich nichts mit der geistigen Zuneigung zu tun hat.

Ungefähr 15 Prozent der Frauen haben einen besten Freund, 60 Prozent hatten mal einen, 7 Prozent sind mit ihrem ehemaligen besten Freund glücklich liiert und bei 30 Prozent gab es mal einen besten Freund, bevor das mit der Abstoßungsenergie plötzlich mindestens auf einer Seite nicht mehr funktionierte.

Das sind die völlig unrepräsentativen, aber nicht minder interessanten und erheiternden Ergebnisse meiner gestrigen Lesung, die eigentlich nur der Vorwand für meine Feldforschung in Sachen “Können Männer und Frauen Freunde sein?” war.

Ein bisschen gelesen habe ich auch, ungefähr dreißig Seiten und dann noch acht unveröffentlichte, ohne die sachlichen Fehler, die bei der letzten Lesung noch drin waren.

Das Licht war ein bisschen zu grell, aber die netten Damen der Stadtbibliothek Fürstenried haben tapfer mit der riesigen Schaltzentrale gekämpft und so lange Knöpfchen gedrückt, bis die Diva einigermaßen zufrieden war und die Atmosphäre ein wenig gemütlicher.

Vielen Dank, liebe Leserinnen und liebe zwei Männer von Leserinnen. Es war ein lustiger und schöner Abend, für Euch hoffentlich auch. Schade nur, dass mein bester Freund nicht dabei sein konnte.

Das mit der Geschlechtsumwandlung ist gar keine so schlechte Idee.

Liebe Leser,

meine Lesung am Freitag, 26. Februar, beginnt nicht um 20 Uhr, sondern schon um 19:30 Uhr!

Bis dann!

Vorfreudig: Anette

Ich habe Fernweh. Zugegeben, verbunden mit akutem Wärmweh. Kein Wort der Klage kam über meine Lippen ob des nie enden scheinenden Winters, denn über das Wetter zu mosern, das habe ich für mich persönlich in der Schublade “unter meinem Niveau” abgelegt. Wenn mir wirklich gar nichts mehr einfällt, werde ich mich über das Wetter beschweren. Aber vorher gibt es tausend Dinge, die ich vielleicht ändern kann und über die sich aufzuregen sich weitaus mehr lohnt.

Zum Beispiel die Fahrer der Sicherheitsfirma Ziemann, im Volksmund auch Geldtransport genannt. Ich wohne direkt über einer heftig frequentierten Bankfiliale, und dort fährt mindestens zweimal am Tag ein hellblauer Kleintransporter vor, bestückt mit zwei Männern, die meistens den Geldautomaten befüllen. Dazu brauchen sie in der Regel zehn bis dreißig Minuten. Und in dieser Zeit steht der Bus vor der Tür auf dem Gehweg. Mit laufendem Motor.

In Deutschland gibt es über 35.000 Bankfilialen. Macht ca. 70.000 parkende Geldtransporter pro Wochentag und 17.500 Stunden laufende Motoren oder 17.500 Liter Benzin, die sinnlos in die Atmosphäre gepustet werden. 218.750 Kilometer könnte ein Auto damit fahren. Täglich. Mehr als 4-mal um die Welt herum!

So etwas regt mich auf. Und ich werde so lange weiter die Herren in ihren hellblauen Geldtransportern bitten, den Motor auszustellen und die Firma Ziemann mit E-Mails nerven, bis ich entweder erschossen werde, weil die Herren in mir eine akute Überfallgefahr sehen oder bis zumindest unter meinem Balkon kein Motor mehr sinnlos vor sich hin läuft.

Ach so, aber ich wollte ja eigentlich von meinem Fernweh berichten. Es ist eine ziemlich umweltfreundliche Sache, immerhin, weil ich es gerade nicht bekämpfen kann und deswegen nicht den Klimawandel beschleunige, indem ich in ein Longreach-Flugzeug steige. Ich bin quasi eine Märtyrerin der Eisbärenlobby. Tapfer harre ich im matschig-kalten München aus und bastle mit blassen Wangen und traurigen Augen Bilder-Mosaike mit Fotos aus lang vergangenen Reisen. Was natürlich mein Fernweh, dieses umgestülpte Heimweh mit einem bittersüßen Schuss unstillbarer Sehnsucht, nur noch schlimmer macht.

Aber was tut man nicht alles, um die Welt zu retten.

Ein Werbeplakat in eigener Sache. Wenn Sie zum Valentinstag etwas verschenken möchten. Und zwar keine Blumen. Und weil Romantik vielleicht manchmal doch mehr ist als nur eine Stilepoche.

Jede Geschichte ist individuell und wird extra geschrieben sowie sonst nirgends veröffentlicht!

Sie ist zwischen 3 und 6 Seiten lang und kostet 60 Euro inkl. MwSt.

anette@goettlicherschreiben.de

Nein, ich hatte dort kein Fotoshooting. Ich wartete nur auf meine sonntagmittägliche Kürbissuppe, der Zwerg schlief friedlich im Buggy, der Mann verfolgte die EM-Quali-Auslosung über die Videotext-App des iPhones und ich spielte ein bisschen mit der Nikon herum. Das Café Jasmin ist einfach zu schön, um dort keine schönen Bilder zu machen.

Café Jasmin
Steinheilstraße 20
80333 München
http://www.cafe-jasmin.com/

71 Wörter kann Linda aktiv verwenden.

50 Stunden arbeite ich pro Woche, laut Agentur für Arbeit und deren Zuschusskürzung aber nur 30.

42 Windeln verbraucht Linda pro Woche.

98 Löffel 3er-Milch löffle ich wöchentlich ins Fläschchen.

50 Stationen fahre ich in einer normalen Woche mit der Trambahn.

1.689 Fotos befinden sich im flickr-Album “Linda”, und das sind nur die guten.

41.500 Fotos befinden sich auf meiner Festplatte.

241,5 von 250 Gigabyte Speicher meines MacBooks sind belegt.

1,5 Krapfen kann Linda am Stück vertilgen.

40 Stunden Schlaf bekomme ich in einer Woche ab.

91 Tage dauert es noch bis zum dringend nötigen Urlaub.

1 Mensch fehlt mir.

48,7 Jahre bleiben noch. Statistisch gesehen.

… ist ungefähr zehn Jahre älter als Lindas Papa, jedoch genetisch bedingt mit einer vollen Haarpracht gesegnet, im Gegensatz zu Lindas Papa.

Linda (auf den Nachbarn zeigend, begeistert): “Mütze! Mütze! Mütze!”

Es gibt Dinge, die ich nicht begreife. Für die mir jegliches Verständnis fehlt, die einfach nicht in meinen Kopf wollen, egal, wie lange ich nach den Gründen forsche, überlege, mir den Kopf zerbreche. Ich kann es mit logischem Denken versuchen, mit umgekehrter Konsequenzanalyse, mit dem Anwenden von Erfahrungswerten, sogar mit Empathie und dem christlichen Glauben – ich kapier’s einfach nicht.

Und fassen kann ich’s noch viel weniger. Warum machen Menschen so etwas? Ist immer die Kindheit schuld, ist es der längst fällige Brief an die eigenen Eltern, der nie geschrieben wurde, gibt es in unserem Land zu wenig Psychotherapeuten ohne meterlange Warteliste? Oder ist der Mensch einfach von Natur aus schlecht und alles Gute ist nur erfolgreiche Sozialisierung?

So oft ich es auch drehe und wende, am Ende bleibt nur: Unverständnis.

Völliges Unverständnis für die Tatsache, dass auf den letzten zwei Seiten des Winterwimmelbuchs der Papagei fehlt.

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